Der Midnight Commander

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Letzte Änderung: 06.12.2005

Inhalt


Beschreibung

Wer den "Norton Commander" von den alten Dos-Tagen noch kennt wird sich auch im Midnight Commander (MC) recht schnell zurechtfinden, denn der Midnight Commander ist ein Norton-Commander-Clone für Linux.

Es handelt sich hierbei um ein Programm, welches Dateien und Verzeichnisse manipuliert und verwaltet. Es ist nützlich, schnell und unterstützt farbige Ausgaben auf der Linux-Konsole. Eine Maus wird ebenfalls unterstützt, wenn Sie den "gpm" Maus-Server installiert haben.

Der Bildschirm des Midnight Commanders ist in vier Bereiche unterteilt, wobei der größte Teil von zwei Verzeichnislisten belegt wird. Fahren Sie mit der Maus über die Grafik um mehr über die einzelnen Bereiche zu erfahren.

Die Menüeile
Das Verzeichnismenü
Die Shell
Belegung der Funktionstasten

Die unterste Zeile auf dem Bildschirm zeigt die Belegung der Funktionstasten an, die Zeile darüber ist eine Shell-Kommandozeile. Wenn Sie in dieser Shell-Kommandozeile ein Systemkommando eingeben, wird dieses ausgeführt.

Ganz oben befindet sich die Menüzeile. Eines der beiden angezeigten Verzeichnisse ist das aktuelle Arbeitsverzeichnis. Hier finden die meisten Operationen statt. Bei bestimmten Befehlen wie z. B. Kopieren oder Verschieben wird das zweite Verzeichnis als Zielverzeichnis benutzt. Zwischen den beiden Verzeichnisfenstern wechselt man mit der [Tab]-Taste.

Startoptionen

Da der MC wohl meistens über die Kommandozeile gestartet wird, gibt es jetzt erst einmal eine Übersicht über die zusätzlichen Optionen, die man dem MC beim Start mitgeben kann.

Der Start des MC erfolgt grundsätzlich mit:

mc [Optionen] [erstes_Verzeichnis] [zweites_Verzeichnis]

Als Optionen können folgende Werte eingegeben werden:

Option
(Kurzform, Langform)
Erklärung
-h, --helpZeigt einen Hilfetext an
-V, --versionZeigt die aktuelle Versionsnummer und unterstützte Dateisysteme sowie Zusatzoptionen an
-x, --xtermErzwingt xterm-Merkmale
-d, --nomouseMausunterstützung in der Textversion abschalten
-t, --termcapVersucht, termcap statt terminfo für Informationen über das verwendete Teminal zu verwenden
-k, --resetsoftSetzt Softkeys auf HP-Terminals zurück
-s, --slowFür langsame Terminals - hier wird auf das Zeichnen eigentlich unnötiger Linien und zusätzlichen Zeichen verzichtet.
-a, --stickcharsNormale Textzeichen zum Zeichnen benutzen
-b, --nocolorMC in schwarzweiß starten
-c, --colorMC im Farbmodus starten
-C, --colors=ARGGibt eine Farbkonfiguration an
-H, --help-colorsZeigt einen Hilfebildschirm darüber an, wie man Farbschemen ändert
-l, --ftplog=ARGFTP-Dialog in die angegebene Datei mitprotokollieren
-f, --datadirDatenverzeichnis anzeigen - hier liegen u.a. globale Konfigurationsdateien und die "Tips des Tages" als Textdateien
-P, --printwd=ARGLetztes Arbeitsverzeichnis in die angegebene Datei protokollieren
-U, --subshellSchaltet die Subshell-Unterstützung ein (normal)
-u, --nosubshellSchaltet die Subshell-Unterstützung ab
-v, --view=ARGStartet direkt den Ansichtsmodus für eine Datei
-e, --edit=ARGBearbeitet eine Datei (startet direkt den Editor)
+numberLegt die initiale Zeilenanzahl für den integrierten Editor fest (wird auch dynamisch ermittelt)

Wenn angegeben, wird das erste Verzeichnis im linken und das zweite Verzeichnis im rechten Fenster angezeigt.


Mausunterstützung

Wenn der MC über ein xterm getartet wird und der Mausserver "gpm" auf dem Rechner gestartet ist, dann läßt sich (auch über eine Telnet- oder SSH-Session) die Maus innerhalb des MC nutzen.

So kann man dann über einen Klick mit der linken Maustaste eine Datei selektieren, bzw. mit einem Doppelklick diese Datei ausführen (so sie denn ausführbar ist) oder das mit dieser Datei verknüpfte Programm starten. Ein Doppelklick auf ein Verzeichnis wechselt in selbiges. Mit der rechten Maustaste (de-)markiert man eine Datei bzw. ein Verzeichnis.

Auch die Menüs lassen sich übrigens mit der Maus bedienen. Wenn Sie innerhalb eines Verzeichnisfensters nach oben oder unten scrollen möchten, klicken Sie den oberen bzw. unteren Rahmen des entsprechenden Fensters an - der Verzeichnisinhalt scollt dann eine voll Bildschirmseite nach oben oder unten.

Wenn Sie - wie unter Linux gewöhnt - einen Text mit der Maus ausschneiden oder einfügen möchten, müssen Sie beim MC zusätzlich zur entsprechenden Maustaste auch die [Shift]-Taste gedrückt halten.


Tastatur-Shortcuts

Wie in jedem größeren Programm gibt es auch beim MC bestimmte Tasten oder Tastenkombinationen, mit welchen man besondere Funktionen aufrufen kann. Je nachdem, in welchem Fenster des MC diese Tastenkombinationen aufgerufen werden, unterscheiden sich:

Globale Shortcuts

Anmerkungen:
Taste / TastenkombinationErklärung
[Enter]
  • Wenn Sie ein Kommando in das Shell-Fenster eingegeben haben, dann wird dieses Kommando durch das Drücken von [Enter] ausgeführt.
  • Befinden Sie sich in einem Verzeichnis-Fenster und haben ein Verzeichnis selektiert, wird in dieses Verzeichnis gewechselt.
  • Haben Sie im Verzeichnisfenster eine Datei selektiert, dann wird diese entweder ausgeführt, sofern für diese Datei das Execute-Flag gesetzt ist, oder das mit dieser Datei verknüpfte Programm wird gestartet.
[Strg] + lZeichnet den Bildschirm des MC neu
[Strg]+x cStarte den "chmod" (Rechte setzen) Dialog für die ausgewählte(n) Datei(en)
[Strg]+x oStarte den "chown" (Eigentümer setzen) Dialog für die ausgewählte(n) Datei(en)
[Strg]+x lStarte den Hardlink-Dialog für die ausgewählte Datei
[Strg]+x sStarte den Symlink-Dialog für die ausgewählte Datei
[Strg]+x iZeige im anderen Verzeichnisfenster Informationen über die Datei/ das Verzeichnis an
[Strg]+x qZeige im anderen Verzeichnisfenster den Inhalt der Datei (Quickmode)
[Strg]+x !Starte den Dialog für benutzerdefinierte (Such-) Filter
[Strg]+x hFüge das Verzeichnis zur "Hotlist" hinzu
[Alt]+xStartet den Dialog für schnellen Verzeichniswechsel
[Strg]+oWenn der MC unter Linux in einer Konsole (xterm) läuft, schaltet diese Tastenkombination zwischen der Vollansicht der Konsole und dem MC hin und her. Wenn Sie auf diese Art und Weise ein Programm gestartet und mit [Strg]+o wieder zum MC zurückgeschaltet haben, dann können Sie kein weiteres Programm mehr starten.

Der Texteditor MCEdit

Der mitgelieferte Texteditor MCEdit is auch für Shell-Novizen leicht zu bedienen. Der Editor kann sowohl direkt innerhalb des Midnight Commanders mit einem Druck auf die Tasten [F3] oder [F4] gestartet werden, sobald eine Textdatei ausgewählt wurde - als auch von der Konsole aus mit dem Befehl mcedit <Dateiname>. Als Dateiname können Sie sowohl eine schon vorhandene Datei wählen als auch eine neue Datei unter dem gewählten Namen anlegen.

Die wichtigsten Aktionen werden beim MCEdit (wie auch beim Midnight Commander selbst) über die Funktionstasten durchgeführt. Welche Taste hierbei was bewirkt, steht in der Statuszeile.

Mit [F3] schaltet man z.B. in den Markierungsmodus, in welchem Textabschnitte mit den Pfeiltasten für eine spätere Bearbeitung markiert werden. Mit einem weiteren Druck auf [F3] verläßt man diesen Modus wieder.

Markierte Textpassagen können mit der Taste [F5] an die aktuelle Cursorposition kopiert oder mit der Taste [F6] dorthin verschoben werden.

Rückgängig machen lassen sich die gemachten Aktionen mit der Tastenkombination [Strg]+[U].

Mit der Taste [F7] können Textstellen gesucht und ersetzt werden - MCEdit bietet dafür eine kompfortable Eingabemaske.

Sie können eine Datei jederzeit durch drücken auf die Taste [F2] speichern - durch einen Druck auf die Taste [F10] beenden sie den MCEdit - nicht ohne vorher gefragt zu werden ob Sie gemachte Änderungen speichern wollen, natürlich.

Die Taste [F9] schließlich öffnet ein Menü, in welchem weitere Befehle zur Verfügung stehen.

MCEdit als Standardeditor einrichten

Wenn man sich erst einmal an den Editor des MC gewöhnt hat, will man ihn natürlich gerne immer nutzen - allerdings starten andere Programme meist den vi, da dieser als Standardeditor unter Linux verwendet wird.

Wenn Sie nun kurzfristig den "MCEdit(or)" als Standarteditor einstellen möchten, geben Sie den folgenden Befehl auf der Shell ein:

EXPORT editor = /usr/sbin/mcedit

Nun wird während der gesammten Sitzung der Editor des MC aufgerufen, wenn ein Programm ein Editorfenster braucht. Wollen Sie den MC dauerhaft als Editor nutzen, so machen Sie (mit dem MC icon_smile einen Eintrag in der Datei .profile:

editor = /usr/sbin/mcedit



  

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