Backup des OSS

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Letzte Änderung: 04.09.2006

Inhalt


Das automatische Backup

Der OSS [9] kann automatisch sowohl inkrementelle als auch Vollbackups der wichtigsten Dateien erstellen. So kann der Server bei einem Hardwaredefekt schnell wieder ersetzt werden, ohne dass wichtige Daten verloren gehen.

Hier erfahren Sie, wie das Backup des OSS abläuft und wie Sie es durch das Setzen von Variablen beeinflussen können.


Gedanken zum Thema Datensicherung

Spätestens nach dem ersten unbeabsichtigtem Löschen oder Überschreiben von Dateien, dem ersten Festplattencrash oder anderen Hardware-Schäden, nach einem Diebstahl, etc. wird der Sinn und Zweck einer Datensicherung klar. Für einen Administrator gehört das Erstellen von "Backups" damit zum Alltag.

Noch vor dem Erstellen eines Backups sollte allerdings klar sein, WAS WIE und WARUM mit WELCHEM Aufwand gesichert werden soll. Denn es gibt verschiedene Arten der Datensicherung und unterschiedliche Motivationen dieses zu tun.

Generell unterscheidet man zwischen differenzieller, inkrementeller und vollständiger Datensicherung.

Bei einem differenziellen Backup werden die seit dem letzten vollständigen Backup geänderten Daten vollständig gespeichert.

Bei der inkrementellen Datensicherung werden nur die Daten gesichert, die sich seit der letzten Datensicherung (meist dem letzten inkrementellen Backup) verändert haben.

Eine vollständige Datensicherung bezeichnet die Sicherung aller Daten unabhängig vom Datum ihrer letzten Sicherung.

Wichtig: Ein Backup-Medium gehört an einen anderen Ort wie die Originaldaten!

Bei einem Brand, einem Wasserschaden, etc. oder einem Diebstahl könnte ansonsten auch das beste Backup zusammen mit den Originaldaten zerstört werden bzw. verloren gehen. Aus diesem Grund ermöglichen RAID-Systeme auch kein Backup. Mit einem RAID-System wird zwar die Ausfallsicherheit eines Systems erhöht - aber vor den oben erwähnten Gefahren kann ein RAID-System nicht schützen.

Der OSS ist ab der Version 2.0.3 soweit vorkonfiguriert, dass er Ihnen ein automatisches Backup sämtlicher wichtigen Daten auf anderen, über USB oder Firewire angeschlossenen Datenträgern (kein Bandlaufwerk) oder einen anderen PC anbieten kann.

Bedenken Sie bitte, dass Sie bei der Verwendung eines anderen PCs auch für dessen Absicherung sorgen müssen. Wir empfehlen ihnen die Verwendung von mindestens zwei verschiedenen USB-2.0-Festplatten, deren jeweilige Gesamtkapazität mindestens 10 Prozent über der Größe des Homeverzeichnisses liegt. Sie können eine dieser Festplatten dann direkt am OSS angeschlossen lassen und alle anderen an einem anderen, sicheren Ort aufbewahren. Wenn Sie die Platten dann z.B. jede Woche austauschen, verlieren Sie maximal die Daten von zwei Wochen.


Konfiguration des Backups

Die Konfiguration des automatischen Backups erfolgt über Variablen in der Datei /var/sysconfig/schoolserver. Sie können diese Datei mit einem beliebigen Editor unter Linux bearbeiten. Für die grafische Oberfläche empfiehlt sich hier der Editor kate.

Sie können die Daten aber auch über YaST2 -> System -> Editor für /etc/sysconfig-Dateien im Abschnitt -> Network -> Server ändern.

Editor für /etc/sysconfig-Dateien: Backupverzeichnis eintragen

Wichtig: In der Datei /var/sysconfig/schoolserver stehen wichtige Einstellungen, die für den Betrieb des OSS sehr wichtig sind. Bitte ändern Sie keine Variablen in dieser Datei, über deren Bedeutung Sie sich nicht absolut sicher sind.

Zunächst legen Sie mit vier Variablen den Speicherplatz für das Backup fest:

SCHOOL_BACKUPMögliche Werte: yes oder no. Soll überhaupt ein Backup durchgeführt werden?
SCHOOL_BACKUP_FULL_DIRGeben Sie hier den Pfad zum Verzeichnis für das vollständige Backup an.
SCHOOL_BACKUP_INC_DIRUnterhalb dieses Verzeichnisses werden die inkrementellen Backups abgelegt. Dabei wird jeden Tag ein neues Unterverzeichnis mit dem aktuellen Datum erzeugt. Für das vollständige und das inkrementelle Backup können Sie auch dieselben Verzeichnisse angeben. Der OSS legt für jedes inkrementelle Backup ein neues Unterverzeichnisse mit der genauen Zeit als Namen an.
SCHOOL_BACKUP_CHECK_MOUNTDiese Variable sollten Sie insbesondere bei der Verwendung von externen Festplatten auf yes setzen. Dann prüft der OSS vor dem Backup, ob das Verzeichnis gemountet ist und führt bei einem negativen Ergebnis kein Backup durch. Sollten Sie also einmal vergessen eine Platte anzuschließen, wird auch kein Backup durchgeführt. Das erspart im Fall der Fälle zwar keinen Datenverlust - aber viele Warn-Emails und eine vollgelaufene /-Partition.

Mit vier weiteren Variablen bestimmen Sie dann den Umfang des Backups:

SCHOOL_BACKUP_HOMEMit yes aktivieren Sie das Backup für das /home-Verzeichnis.
SCHOOL_BACKUP_DBMit diesem Eintrag können Sie entscheiden, ob die Datenbank der jeweiligen Groupware gesichert werden soll. Hier werden je nach verwendeter Groupware u.a. die Termine, persönlichen Adressbücher und Foren-Nachrichten gespeichert.
SCHOOL_BACKUP_MAILMit yes werden sämtliche Emails gesichert.
SCHOOL_BACKUP_LDAPDa sämtliche Benutzerdaten des OSS in der LDAP-Datenbank gespeichert werden, sollten Sie hier generell yes eintragen.

Backup auf eine externe USB-Festplatte

Melden Sie sich zunächst als root am OSS an. Schließen Sie nun eine handelsübliche, externe USB-Festplatte (empfohlen: USB 2.0) an einen USB-Port ihres Rechners. Der SUSE [10] Plugger sollte die Festplatte nun erkennen und ihnen anbieten, diese unter einem bestimmten Mountpoint in das Dateisystem einzuhängen.

Meldung des SUSE Plugger beim Einstecken einer USB-Festplatte

Bestätigen Sie zunächst die Nachfrage und kontrollieren Sie den Inhalt der Festplatte.


Festplatte Formatieren und Partitionieren

Die meisten heute erhältlichen Festplatten sind mit dem FAT32- oder NTFS-Dateisystem formatiert und bestehen aus einer einzigen, großen Partition. Auf diesen Dateisystemen können nicht alle Linux-Rechte übernommen werden, so dass eine solchermaßen vorbereitete Festplatte erst mit einem anderen Dateisystem formatiert werden muss, bevor sie für ein Backup des OSS genutzt werden kann.

Warnung: Durch das Formatieren der USB-Festplatte werden sämtliche Daten auf der entsprechenden Partition gelöscht!

Hierzu müssen Sie zunächst die USB-Festplatte aus dem Dateisystem entfernen. Öffnen Sie hierfür eine Konsole und wechseln Sie mit dem Befehl cd /media in das Verzeichnis unter welchem die USB-Festplatte mit ihrer Hardware-ID eingehängt ist.

Verschaffen Sie sich einen kurzen Überblick über den Inhalt des /media-Verzeichnisses mit dem Befehl ls. Geben Sie anschließend den Befehl umount /media/usb- ein und lassen Sie den OSS die Hardware-ID vervollständigen, indem Sie die TAB-Taste drücken. (Sind auf der USB-Festplatte mehrere Partitionen angelegt, müssen Sie den Vorgang öfter wiederholen - die Partitionen werden am Ende der Hardware-ID dem Verzeichnisnamen hinzugefügt.)

Wenn Sie nun den Befehl mount ohne Parameter eingeben, sollte die USB-Festplatte dort nicht mehr aufgeführt werden. Nur so kann der Partitionierer im nächsten Schritt sinnvoll mit der Festplatte arbeiten.

Starten Sie nun YaST2 über die grafische Oberfläche. Wählen Sie System -> Partitionieren. Eine Warnmeldung weißt nochmals auf die Gefährlichkeit des Partitionierungs-Tools hin. Bestätigen Sie mit Ja, dass Sie sich der Gefahr einer möglichen Datenverlusts bewußt sind.

Warnmeldung des YaST2-Partitionierers

Den nächsten Dialog kennen Sie schon, wenn Sie während der Installation des OSS eine manuelle Partitionierung vorgenommen haben entsprechend gelten die im Installationshandbuch gemachten Anmerkungen auch hier. Im Expertenmodus werden ihnen nun sämtliche Festplatten mitsamt ihren Partitionen angezeigt.

Warnung: Bearbeiten Sie niemals ohne Grund die Partitionen für /, swap, /var und /home! Auf diesen Partitionen sind sämtliche Daten des OSS gespeichert.

Sie können die USB-Festplatte u.a. daran erkennen, dass...


Partitionierer: Übersicht über die Partitionen

Nachdem Sie nun die Festplatte neu Partitioniert haben, überprüfen Sie nochmals die korrekte Einbindung der Platte, indem Sie den USB-Stecker abziehen und ihn anschließend wieder anstecken. Mit dem Befehl mount in einem Konsolenfenster sollte ihnen nun unter /media eine mit ext3 formatierte Festplatte angezeigt werden. Achten Sie bitte darauf, dass für diese Platte auch der sogenannte "ACL"-Support aktiviert ist. Ansonsten müssen Sie die Platte vor der Benutzung noch einmal neu mounten, indem Sie den Befehl:

mount -o remount,acl /media/<Name der Platte>
als Benutzer root auf einer Konsole eingeben.
Information: Ab Version 2.1 ist das nicht mehr unbedingt notwendig, da das Backup selbst die Möglichkeiten zur Sicherung der ACLs überprüft und die ACL-Daten ggf. separat sichert. Allerdings sollte die Platte dann nicht für alle Nutzer als Backupmedium zur Verfügung stehen (d.h. nicht über ein Laufwerk vom Client aus erreichbar sein).
Sie können das hier angezeigte Verzeichnis mit der rechten Maustaste markieren. Wenn Sie anschließend im Editor oder über YaST2 -> System -> Editor für /etc/sysconfig-Dateien bei der Pfadangabe die mittlere Maustaste drücken, wird die zwischengespeicherte Pfadangabe in das Eingabefeld automatisch eingefügt.

Backup auf einen entfernten Linux-Rechner

Sie können als Backupziel auch einen anderen Linux-Rechner verwenden, welcher dem \ems{} ein bestimmtes Verzeichnis über NFS zur Verfügung stellt.

Wichtig: Bedenken Sie bei dieser Art von Sicherung, dass dieser "Backup-Rechner" in seinem Backup-Verzeichnis sämtliche Nutzerdaten (inkl. Passwörter) beherbergt und entsprechend abgesichert werden sollte!

Als Vorbereitung sollten Sie auf dem entfernten Rechner ein bestimmtes Verzeichnis für die Aufnahme des Backups vorbereiten und exportieren (unter SUSE LINUX können Sie hierfür das YaST2-Modul NFS-Server verwenden).

Konfigurieren Sie den OSS nun über YaST2 -> Netzwerkdienste -> NFS-Client als NFS-Client und mounten Sie das entfernte Dateisystem.

NFS-Client: Mounten eines entfernten Dateisystems

Bitte beachten Sie hierbei, dass der OSS nun bei jedem Start versuchen wird, dass entfernte Dateisystem zu mounten. Entsprechend sollte der Backup-Rechner immer zur Verfügung stehen.


Das eigentliche Backup

Das eigentliche Backup wird über einen Cron-Job gesteuert. Dieser ruft einmal täglich die Datei /etc/cron.daily/oss-backup auf. Hier wird nun anhand der in der Datei /etc/sysconfig/schoolserver eingestellten Variablen das Backup gestartet.

Wenn Sie einmal ohne Zugriff auf ein Backup wissen möchten, wann das letzte Backup gestartet wurde, können Sie in der Datei /var/adm/backup/LAST_BACKUP die genaue Zeit finden.




  

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Kommentare

Martin
24.04.06, 12:23
Backup

Tolles HowTO, leider wird bei mir im Yast das betreffende Menü OSS-Backup nicht angezeigt... Wo kann ich das aktivieren?

Lars
24.04.06, 12:44
Re: backup

Sorry - das war ursprünglich an anderer Stelle geplant. Die Konfiguration befindet sich jetzt hier:

YaST2 => System => => Editor für /etc/sysconfig-Dateien => Network => Server

Ich Ändere das gleich mal im HowTo. ;-)

Lars

Lars
24.04.06, 12:58
Re: backup

ok. Sollte jetzt wieder stimmen. Danke für die Info.

Lars

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