Warum Linux ?

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Warum Linux ?

Fakten und Argumente

Linux ist -zumindest auf Server-Seite- das beliebteste Betriebssystem für Internet-Anbieter und Unternehmen, sowie für ad-hoc-Lösungen. So laufen etwa 29% aller Internet-Server in Europa auf Linux. Etwa 34% der Leser der Zeitschrift iX (wahrscheinlich das renommierteste Blatt im EDV-Bereich allgemein in Deutschland, neben der c't) verwenden Linux im Unternehmen.

Linux hatte laut Schätzungen des Linux-Distributors Red Hat im März 1998 7,5 Millionen Benutzer. Die Benutzerbasis von Linux wächst fast expotentiell. Da aufgrund der freien Lizenz von Linux die Verbreitung unbegrenzt ist, sind genaue Zahlen nicht feststellbar. Nach vorsichtigen Erhebungen hat im Oktober 98 die Zahl der Linux-Benutzer die 10-Millionen-Grenze überschritten.

Zwei Untersuchungen über Windows NT gegen Unix verfaßt einmal von einem Microsoft Certified Professionell,  sowie weiter in der Internet-Professionell (bitte klicken und lesen!) lassen das Microsoft-Betriebssystem doch in einem wenig rosigen Licht erscheinen. Der Preis ist unverschämt hoch, selbst im Vergleich zu kommerziellen Unixen (wie etwa Solaris oder SCO).

Sicher hat Windows NT seinen Platz in der EDV-Welt, doch ob es die einzige und absolute Zukunft ist, bleibt abzuwarten. Windows NT ist technisch und funktional Unix/Linux unterlegen und sein Einsatz findet oft an unpassenden Stellen statt (zum Beispiel als Server). Eine grafische Oberfläche sollte nicht der einzige Grund für die Verwendung eines bestimmten Betriebssystems sein.

Unix ist wieder erstarkt, nachdem viele Firmen feststellen mußten, daß Windows NT einfach nicht skalierbar, schlecht anpaßbar/erweiterbar und extrem verschwenderisch mit Systemressourcen ist. Das neue NT 5 (Windows 2000) soll endlich Fähigkeiten enthalten, die Unix seit 20 Jahren hat. Aber zu welchem Preis: Es bleibt weiter eine proprietäre Software, die sicherlich im Featurismus neue Maßstäbe setzen wird - mit einem Sourcecode von 35 bis 40 Millionen (!) Zeilen pro Version (Windows 95 ca. 3,5 Millionen Zeilen und Linux  2,5 Millionen Zeilen) ist klar, wieviel Bugs diese Software enthalten muß und wie sie die Hardwareanforderungen in ungeahnte Höhen schraubt: Unter 128 MB wird nicht mehr viel laufen....

Oft wird behauptet, ein Windows-Netz sei einfacher einzurichten zu administrieren als ein reines Linux-Netz. Das die Schwierigkeiten oft verschwiegen und die Probleme nicht ganz einfach lösbar sind, zeigt z. B. der Beitrag "Pädagogisch-technische Konzepte für den Einsatz von Windows 95 in den lokalen Netzwerken der Schulen" vom Hessischen Landesinstitut für Pädagogik im Heft "Arbeiten in vernetzten Schulen" (siehe "Bücher, Magazine, Links)

Es ist nun unsere Überzeugung, dass Linux weitaus mehr bietet, als nur ein unsichtbar im Hintergrund laufendes System: Ein System, das zwar klaglos und robust auf dem Server seinen Dienst tut, mit dem der Anwender, also der Schüler, aber im allgemeinen nicht oder nur wenig in Berührung kommt.

Wir wollen Wege aufzeigen, wie Linux in der Schule eingesetzt werden kann: je nach Gegebenheit von einer Insellösung über ein heterogenes Netz mit Windowsanbindung bis hin zu einem komplett unter Linux laufendem Netz, in dem auch die Schüler unter Linux arbeiten können, ist alles möglich. Dabei richten wir uns nicht an den langjährigen Linuxfreak - der braucht solche Hinweise mit Sicherheit nicht.

Linux ist ein Betriebssystem, das - dank der Zugänglichkeit des Quellcodes - offen ist, in das sich der Anwender, gerade wegen seiner Offenheit eingebunden fühlt und an dessen weiterer Entwicklung er selbst teilhaben kann. Linux ist nicht das Produkt einer einzelnen Firma, sondern das ständig weiterentwickelte Ergebnis einer internationalen Zusammenarbeit, das eine immer breitere Unterstützung findet. Ebenso findet die Entwicklung und Pflege der meisten Linxapplikationen offen statt, d.h., daß evtl. auftretende 'Bugs' innerhalb kürzester Zeit beseitigt werden.

Mit der vorliegenden Aktion soll der Einsatz von Linux im schulischen Bereich gefördert und Anregungen geliefert werden, wie seine manigfaltigen Vorteile genutzt werden können. Der erste, ins Auge springende Vorteil ist: Sowohl Linux selbst, als auch die benötigten Anwendungen sind konkurenzlos günstig. Eine Schule, die doch einen sehr begrenzten Etat für die Nutzung der EDV hat, ist darauf angewiesen, mit ihren knappen Resourcen zu haushalten. Statt zusätzlicher Software, die woanders mit Hunderten oder Tausenden von Mark zu Buche schlägt, bietet Linux diese größtenteils oft schon standardmäßig an. Durch die gute Hardwarenutzung stellt Linux oft die einzige sinnvolle Alternative dar, auf der an Schulen meist schwachbrüstiger Hardware noch ein modernes Betriebssystem (BS) laufen zu lassen und ein Netz zu betreiben. Aber Linux ist nicht nur aus preislichen Gründen interessant:

  • Linux ist ein echtes multiuser- und multitaskingfähiges Netzwerks-Betriebssystem, bei dem Multiuserfähigkeit und Multitasking wirklich verzögerungs- und ruckelfrei funktionieren. Es ist für Server-, Router-, Firewall- und Desktopeinsatz standardmäßig vorgesenhen und optimal geeignet. Einen Unterschied zwischen Server- und Desktopsystem gibt es hier nicht! Es unterstützt Single- und Multiprozessormaschinen. NT dagegen kann nur mehrere Benutzer verwalten! Durch die stringente Vergabe von Zugriffsrechten ist es dem Schüler nahezu unmöglich, das System zu beschädigen: Er kann nur, was der Lehrer ihm explizit erlaubt.  Auch der liebe Kollege, der den Computerraum mitbenutzt, braucht nur bestimmte Zugriffsrechte, das erleichtert die Arbeit des Administrators ungemein ...
  • Es ist äußerst stabil, schnell, flexibel und sicher, auch bei vielen Zugriffen und unter extrem hoher Systemlast.
  • Man erhält ein klompettes Server-Betriebssystem. Über Lizenzen (Raubkopien!) braucht man sich keine Gedanken machen: Ein Linux kaufen (zwischen system30.- und 100.- DM, je nach Distribution) - das komplette Netz ausrüsten! Übrigens: Die großen Distributionen liefern Linux zu diesem Preis mit 600 bis 800 Anwenderprogrammen!
  • Es ist standardmäßig fernwartbar (remote control), auch dies ist woanders nur mit einem "Aufsatz" realisierbar.
  • Es ünterstützt Quotas, d. h. die Aufteilung von Plattenplatz pro Anwender, was auch in Schulen interessant ist, da jedem Schüler ein bestimmter Plattenplatz zugewiesen werden kann. So ist es im Gegensatz zu NT unmöglich, daß der Schüler sein privates Verzeichnis so füllt, daß das ganze System  lahmgelegt wird.
  • Eine zentrale Netzadministration ist im Gegensatz zur landläufigen Meinung bei etwas Einarbeitung relativ einfach und vor allen Dingen wirklich zentral durchzuführen: Da es keine "Profile" wie unter NT gibt, ist eine zentrale Administration nicht nur einfacher, das System kann auch tatsächlich leichter "dicht" gemacht werden. Dies ist bei NT nur mit wesentlich höherem Aufwand möglich und steigt dort mit der Größe des Netzes expotentiell.
  • Der Systemadministrator ist gleichzeitig Superuser und hat Zugriff auf alle Dateien - also auch auf die privaten Verzeichnisse der Schüler, was bei NT nicht vorgesehen ist! (Aufsichtspflicht?!)
  • Laufwerke können im laufenden System ein- und ausgehängt werden: Der Schüler hat nur Zugriff auf Laufwerke wie Floppy oder CDRom, wenn der Lehrer es will - lokal und übers Netz. Da es keine Laufwerksbuchstaben, sondern nur noch Bezeichnungen für Laufwerke gibt, sind auch alle Laufwerke von Linuxrechnern eines Netzes zentral zu verwalten! Systeme mit hunderten oder tausenden von Laufwerken stellen kein Problem dar.
  • Unter Linux ist der Einsatz von externen Terminals (z. B. ältere Rechner) und von virtuellen Konsolen standardmäßig von Anfang an vorgesehen, auch hier kann NT nur mit kostenpflichtigen Zusatzlösungen dienen.
  • Es bringt alle Tools für Internetanbindung und den Aufbau eines Intranets standardmäßig mit: WWW-Server, Proxy, Mail- und Newsserver. Während Schulen den zusätzlich benötigten Proxy für NT schon mal für wenig Geld oder umsonst erhalten (was nicht die Regel ist), ist dieser ansonsten extrem teuer.
  • Linux ist konfortabel über das jeweilige Installationsprogramm - auch nachträglich - zu konfigurieren und braucht keine Deinstaller oder ähnliches. Bei der Installation / Deinstallation von Software über dieses Installationsprogramm wird automatisch eine Datenbank angelegt bzw. upgedatet. Anschließend aktualisiert das Installationsprogramm alle Konfigurationsdateien neu. Man schleppt also keinen versteckten Restmüll mit! Alle Konfigurationsdateien liegen im ASCII-Format vor und können deswegen vom Systemverwalter tatsächlich bis in den kleinsten Winkel durchleuchtet und - wenn es denn einmal Not tun sollte - von Hand bearbeitet  werden.
  • Es verfügt über eine große Zahl von Emulatoren, sodass von DOS-, über Win 3.1- bis hin zu Gameboyprogrammen alle direkt unter Linux ausgeführt werden können. Natürlich wird JAVA ebenfalls unterstützt.
  • Bei jeder Distribution ist nahezu alles vorhanden, um ein Netz umfassend zu warten. Dies ist bei anderen Betriebssystemen so meist nicht der Fall, was besonders für Schulen interessant ist, denn zusätzliche Software kostet zusätzliches Geld. Beispielsweise  können mit einfachen UNIX-Befehlen Sicherungen gefahren werden, sodaß ein defektes System über eine Diskette hochgefahren und übers Netz vom Server repariert werden kann.
  • Linux unterstützt alle DFÜ-Protokolle. Während NT bei Mails nur POP3 und SMTP unterstützt, ist UUCP auch unter Linux möglich - ein Protokoll, das z. B. der von vielen Schulen benutzte Provider WinShuttle bevorzugt (sicherer, schneller....)
  • Es ist ökonomisch: Die Hardwareanforderungen sind bei höherer Leistung niedriger als bei anderen vergleichbaren BS, darüberhinaus wird die vorhandene Hardware besser ausgenutzt: So kann man z. B. den Kommunikationsserver komplett ohne grafische Oberfläche konfigurieren, administrieren und laufen lassen, womit der Einsatz selbst von 486ern mit 16MB für diesen Zweck ausreichend ist.
  • Es wird ständig weiterentwickelt - viele Systeminterna sind moderner als die von konkurierenden BS, außerdem werden Bugs wesentlich schneller behoben.
  • Es gibt kompetenten, oft kostenlosen und schnellen Support (natürlich auch kommerziellen) und ist bestens dokumentiert.
  • Es fasziniert, findet ständig mehr Anhänger und wird zunehmend auch von Großfirmen, Instituten, Universitäten und Behörden eingesetzt, unterstützt und gepflegt. Mit der steigenden Zahl der Benutzer steigt auch hier die Zahl der verfügbaren Programme ...
  • Linux versteht sich mit allen Plattformen, ob Windows, Apple oder Novell und ist optimal in heterogenen Netzwerken einsatzfähig. Weiterhin unterstützt es bereits jetzt mehr Plattformen, als für andere Betriebssysteme je angekündigt worden sind. Die Version für DEC´ s Alpha-CPU ist das erste 64-Bit-BS für den Hausgebrauch überhaupt und für Intels kommenden 64-Bit Prozessor hat Intel selbst Unterstützung für Linux angesagt.

Allerdings: Etwas Umgewöhnung und Bereitschaft zum Kennenlernen neuer Welten und Philosophien sind erforderlich ...

(Christian Selig/Peter Bingel, Linux für Schulen - Freie Software und Bildung e.V.)




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